Albers Kunst

 

Ein Künstler der heutigen Zeit ist modern und zeitgenössisch zugleich. Die alten Meister waren zu ihrer Zeit auch modern.

Auch ein Kunstwerk das beispielsweise 100 Jahre alt ist, kann heute noch topaktuell sein. Zeitgenössische moderne Kunst ist ein Bindeglied zwischen Künstler und Gesellschaft. Sie spiegelt die Gesellschaft und deren Ideologien wieder. Kunstwerke sind nicht nur ästhetisch, sie transportieren Botschaften.

Der Künstler tritt durch sein Schaffen in ein Dialog mit der Gesellschaft. Gesellschaft und Politik wiederum beeinflussen die Zeitgenössische Kunst. Renommierte Künstler beeinflussen andererseits die Gesellschaft.

„Jede echte Kunst ist oder war in ihrer Zeit modern, herausfordernd und neu, wies hin auf den dauernden Wandel im Sehen und Fühlen.“
Josef Albers (1888- 1976), dt.- amerik. Maler

Kunst vom Blick des Betrachters aus

Die Käufer der heutigen Zeit können auf viele verschiedene Kunstmessen ein Angebot finden, das von zeitgenössischer Kunst und klassischer Moderne, sowie der „Stammeskunst“ bis zur „Art brut“ als Sammelbezeichnung reicht. Die Diskussionen über Kunst oder Nicht-Kunst sind weitestgehend verstummt. Nur noch die Vergleiche der Werke untereinander erhitzen gegebenenfalls die Gemüter. Diese einheitliche Anerkenntnis der künstlerischen Qualitäten schärft den Blick für unterschiedliche Intentionen und Funktionen. Unter diesem Aspekt lassen sich folgende Kunstrichtungen unterscheiden:

In der „Kunst unserer und früherer Zeiten“ formulieren Künstler ihre Sicht der Welt. Sie nehmen Bezug auf die Themen ihrer Zeit, Gesellschaft und Politik und sie nehmen vor allem Bezug auf die Werke ihrer Vorgänger und Konkurrenten.

In der „Art brut“ finden wir demgegenüber den Blick nach innen, die Gestaltung ganz eigener, keine Schulen und Moden bildender Werke. Die Arbeiten sind auf Selbststabilisierung und auf Selbstvergewisserung gerichtet. Daher sind Inhalte und formale Strategien anderer Künstler weitgehend bedeutungslos. Trotzdem finden sich sozio-histo-kulturelle Einflüsse, unter anderem historische oder transkulturelle Prägungen.

In der „Stammeskunst“, die sicherlich alles andere als eine primitive Kunst ist, findet man letztendlich die kulturell traditionelle Richtung der Jenseitsvorstellungen. Es geht um die Darstellung von Fetischen, von Vermittlern zu den guten und bösen Mächten, von Ahnen und von Göttern. Die Freiheit in den formalen Gestaltungen der Stammeskunst, welche die Künstler im 20. Jahrhundert und bis heute fasziniert, führt darauf zurück, das eben keine lebenden Personen, keine Umgebungs- und Alltagsrealität gestaltet wird, sondern ein Bezug zum Religiösen, zum Unsichtbaren, Unbekannten und Geheimnisvollen hergestellt und dargestellt werden soll.

In allen drei Bereichen treffen die Sichtweisen wieder zusammen. Es geht dabei um eine Selbstdefinition in Bezug auf die Welt (aktuelle Kunst) und auf den Bezug der Innenwelt (Art brut), sowie den Bezug unserer Jenseitsvorstellungen (Stammeskunst). (Quelle: H. Kraft,“Grenzgänger zwischen Kunst und Psychiatrie“)

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